baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

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Naturschutzgebiet Fauler Ort, Deutschland

 

Auf der europäischen Tiefebene sind keine unberührten Rotbuchenwälder (Fagus sylvatica) erhalten geblieben, und nur wenige Reservate sind seit mehr als ein paar Jahrzehnten unter strengem Schutz1. Einer der naturnahesten verbliebenen Wälder ist Fauler Ort (13,6 ha) 2. Forstwirtschaftlich bedingt war es zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein von der Eiche (Quercus) dominierter Waldbestand3. Danach hat die Rotbuche die Eiche stark verdrängt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Bestand ohne Holznutzung2; zur damaligen Zeit hatte die Rotbuche im Grundflächenverhältnis mit der Eiche gleichgezogen und 1922 wurde der Bestand als ein überalterter Rotbuchenwald bezeichnet3. Das Naturschutzgebiet wurde 1938 ausgewiesen und 1990 auf 77 ha erweitert2. Der ursprüngliche Teil wirkt heute sehr natürlich und weist keine sichtbaren menschlichen Spuren auf.

 

Fauler Ort unterscheidet sich deutlich vom anderen nicht so weit liegenden naturnahen Rotbuchenwald, Opens internal link in current windowNaturschutzgebiet Heilige Hallen. Während das letztgenannte ein fast reiner Rotbuchenwald ist, wachsen im Faulen Ort etwa 10 Mischbaumarten, u. a. Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und Winterlinde (Tilia cordata). Die relativ niedrige jährliche Niederschlagsmenge (ca. 540 mm) und die größere Jahresschwankung der Lufttemperatur im Vergleich mit den mehr westlichen und nördlichen Tiefland-Rotbuchenwaldgebieten führt zur verringerten Konkurrenzkraft der Rotbuche3. Trotz der kleinen Fläche bietet Fauler Ort vielseitigere Standorte als das relativ eintönige Naturschutzgebiet Heilige Hallen. Auch der Unterwuchs ist üppiger und wechselnder. Die Baumartenmixtur variiert nach den verschiedenen Standorten. Es gibt auch viele nasse Hangquellmoore.

 

Das Reservat darf man nicht mit dem gleichnamigen Ort im Nationalpark Müritz verwechseln. Meereshöhe ist ca. 30–50 m; die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,2°C.

 

Referenzen:

 

1       Christensen, M. et al. (2005): Dead wood in European beech (Fagus sylvatica) forest reserves. Forest Ecology and Management 210, 267–282.

2       Sperber, G. & Thierfelder, S. (2005): Urwälder Deutschlands. BLV Verlagsgesellschaft mBH.

3       Rüffer, O. (2015): Der "Faule Ort" - Erkenntnisse zur natürlichen Waldentwicklung in einem Brandenburger Naturwald. Forst Brandenburg.


Rotbuchenwald (Fagus sylvatica).
Rotbuche (Fagus sylvatica, rechts und junge Bäume), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus, Mitte), Sommerlinde (Tilia platyphyllos, links im Hintergrund).
Die Stelle von Bild 2 aus einer anderen Richtung. Sommerlinde (Tilia platyphyllos, Vordergrund), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus, Mitte rechts im Hintergrund), Rotbuche (Fagus sylvatica, großer Baum rechts im Hintergrund und junge Bäume).