baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

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Garajonay-Nationalpark, Kanarische Inseln, Spanien

 

Der Garajonay-Nationalpark auf der Insel La Gomera beheimatet den größten (40 km2) und am besten erhaltenen Lorbeerwald auf den Kanarischen Inseln1, obwohl noch besser erhaltene Wälder von der gleichen Waldformation auf Opens internal link in current windowMadeira existieren. Der Park ist auch ein UNESCO-Weltnaturerbe.

 

Da die vulkanischen Kanarischen Inseln nie mit einem Kontinent verbunden waren2, ist die subtropische Üppigkeit hier mit einer geringen Diversität bei Pflanzen und Tieren kombiniert. Der Lorbeerwald von Garajonay wird nur von etwa 20 Baumarten gebildet1, von denen etwa die Hälfte im Park sehr selten sind. Die zahlreicheren Arten sind Laurus novocanariensis (Kanaren-Lorbeer, der häufigste Baum), Persea indica (Indische Persea, besonders in Tälern), Ilex canariensis (Kanaren-Stechpalme), Morella faya (Gagelbaum), Viburnum rigidum, Erica arborea (Baumheide, besonders auf steilen Hängen und Kämmen) und Picconia excelsa (in niedrigeren Lagen). Stellenweise treten Ocotea foetens (Stinkender Lorbeer) und Sambucus palmensis auf. In den Wäldern des Parks ist es unwahrscheinlich die selteneren Arten zufällig anzutreffen, von denen viele hauptsächlich in niedrigeren Lagen außerhalb des Parks vorkommen. Die höchsten Bäume sind O. foetens, P. indica und L. novocanariensis, die alle etwas über 30 m erreichen. Hinweis: Die Behauptung von Bestimmungsführern, dass I. canariensis nur 10 m erreichen würde3 4, ist falsch: das höchste Exemplar, das ich gemessen habe, ist 28,0 m (die Messung mit TruPulse 200X -Laser). Die meisten der häufigen Baumarten bilden kontinuierlich basale Triebe; Einzelstämme werden nicht dick, sondern sterben schließlich und werden durch jüngere äußere Stämme ersetzt. Der Prozess führt zu Stammbündeln, die für diesen Waldtyp charakteristisch sind. Insbesondere entwickeln alte P. indica und O. foetens enorme basale Knollen, aus denen die Triebe hervorgehen. E. arborea wächst auf Hängen oft fast waagrecht. Fast alle Arten sind immergrün. Die Unterschiede zwischen manchen Arten sind klein, aber es ist relativ einfach zu lernen, die wichtigsten Arten zu identifizieren. Die basalen Triebe helfen bei der Bestimmung, wenn die Baumkrone außer Reichweite ist. Auf Stämmen wächst reichlich Moos. Der Unterwuchs ist eher spärlich und besteht hauptsächlich aus Baumjungwuchs; Farne kommen stellenweise vor.

 

Die Jahresmitteltemperatur beträgt 14–18°C und der Jahresniederschlag 550 bis 850 mm 5. Zusätzlich ist der Park in der Wolkenzone der Nordost-Passatwinde; das Kondensationswasser vom Nebel kompensiert den Regenmangel im Sommer und erhöht die jährliche Niederschlagmenge erheblich6. Höhen reichen von etwa 700 m bis 1487 m (Alto de Garajonay). Viele Hänge sind steil.

 

In der Literatur und Naturfilmen wird Garajonay oft als “Urwald” bezeichnet aber echter Primärwald kann nur in schwerzugänglichen Standorten erwartet werden7. Man kann alte gesägte Stümpfe in den Randbereichen sehen. In den größeren Tälern fehlen oft alte Bäume, in manchen Tälern sind sogar Zeichen von alten Siedlungen zu sehen. Auf Hängen und in kleineren Tälern gibt es aber Gebiete, die eher unmodifiziert aussehen. Die Beweidung wurde bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts beibehalten und ihre Auswirkung auf den Unterwuchs war erheblich; besonders der südliche Teil des Parks (inkl. die höchste Gipfeln) ist stark degradiert1. Seit mehreren Jahrzehnten hat es aber sehr wenig menschliche Einflüsse gegeben1. Eingeführte Ratten, Mäuse, Kaninchen und Katze sind stark vertreten8.

 

Die meisten Wanderwege sind in der Nähe der Straßen und der Grenzen des Parks. Der Park kann mit dem Bus erreicht werden. Camping ist nicht erlaubt.

 

Referenzen:

 

1       http://www.parquesnacionalesdecanarias.com

2       Wildpret, W. & Martín, V. E. (1997): Opens external link in new windowLaurel forest in the Canary Island: biodiversity, historical use and conservation. Tropics 6(4): 371–381.

3       Hohenester, A. & Welss, W. (1993): Exkursionsflora für die Kanarischen Inseln. Ulmer.

4       Schönfelder, P. (2012): Die Kosmos-Kanarenflora. Kosmos.

5       Moreno, J. M. (2011): Parque Nacional de Garajonay: Patrimonio Mundial. Turquesa.

6       Izquierdo, T., de las Heras, P. & Márquez, A. (2011): Opens external link in new windowVegetation indices changes in the cloud forest of La Gomera Island (Canary Islands) and their hydrological implications. Hydrol. Process. 25, 1531–1541.

7       Kunkel, G. (1993): Die Kanarischen Inseln und ihre Pflanzenwelt, 3. Ed. Gustav Fischer Verlag.

8       Führer des Nationalparks Garajonay und der Insel La Gomera. CNIG.

 

Offizielle Websites:

 

http://www.gobiernodecanarias.org/parquesnacionalesdecanarias/de/Garajonay/

 

http://www.mapama.gob.es/en/red-parques-nacionales/nuestros-parques/garajonay/

 

Meistens Ocotea foetens (Stinkender Lorbeer) ca. 800 m ü.M.
Drei über 30 m hohe Persea indica (Indische Persea) -Bäume links, der höchste (mitte) ist 31,7 m. Die andere Bäume sind meistens Laurus novocanariensis (Kanaren-Lorbeer). Meereshöhe 1020 m.
Die selbe Persea indica (Indische Persea) -Gruppe wie im Bild 2 (mitte rechts). Der höchste von ihnen ist der Rechte. Die andere Bäume sind meistens Laurus novocanariensis (Kanaren-Lorbeer).
Ilex canariensis (Kanaren-Stechpalme, die größeren Bäume links), Laurus novocanariensis (Kanaren-Lorbeer, rechts im Vordergrund und der mehrstämmige Baum mitte), Erica arborea (Baumheide, die schrägen Bäume mitte). Meereshöhe 1120 m.
Erica arborea (Baumheide) -Bestand nah einem Bergrücken 1130 m ü.M.
Talboden 1140 m ü.M. Morella faya (Gagelbaum, der große Baum links), Laurus novocanariensis (Kanaren-Lorbeer, mitte mit dunkler glatter Rinde), Persea indica (Indische Persea, mitte rechts mit gefurchter hellerer Rinde und Jungwuchs im Vordergrund).
Aussicht in den Park.
Von der Meereshöhe von 750 m aufwärts.
Persea indica (Indische Persea, der Stamm im Vordergrund und der große Baum rechts), Ilex canariensis (Kanaren-Stechpalme, die hellen Stämme), Picconia excelsa (Jungwuchs links mit glänzenden Blättern), Viburnum rigidum (Jungwuchs rechts). Meereshöhe ca. 1100 m.
Persea indica (Indische Persea) 1050 m ü.M.
32,5 m hoher Ocotea foetens (Stinkender Lorbeer) ca. 800 ü.M. Der kleine Baum im Vordergrund ist auch O. foetens.
30,3 m hoher Laurus novocanariensis (Kanaren-Lorbeer, mitte) 860 m ü.M. Die anderen Bäume sind meistens L. novocanariensis; auch Persea indica (Indische Persea, der gerade Baum mit brauner Rind mitte links).
28,0 m hohe Ilex canariensis (Kanaren-Stechpalme) 1080 m ü.M.
Die Krone der 28,0 m hohen Ilex canariensis (Kanaren-Stechpalme).
Alter Morella faya (Gagelbaum) 1080 m ü.M.
Morella faya (Gagelbaum) auf einem Hang 1150 m ü.M.
24,6 m hoher Morella faya (Gagelbaum) mit basalen Trieben 1120 m ü.M. Laurus novocanariensis (Kanaren-Lorbeer) -Jungwuchs im Vordergrund.
Erica arborea (Baum-Heide). Höhe 22,2 m, Umfang 139 cm. Die anderen Bäume: Laurus novocanariensis (Kanaren-Lorbeer, dunkle Rinde) und Persea indica (Indische Persea, helle Rinde). Meereshöhe 950 m.
Einige Bäume vom Park.