baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

©2017copyright christoph hase

Nationalpark Bayerischer Wald, Deutschland

 

Der Nationalpark (242 km2) besteht meistens aus ehemaligem Wirtschaftsforst aber es gibt einige kleine Urwaldreste.


Das Höllbachgspreng (51 ha) ist einer der besten Urwälder in Deutschland. Der Bayerische König Max II hat das Gebiet schon 1850 geschützt. Pfade sind die einzigen sichtbaren Zeichen von menschlichem Einfluss. Der am häufigsten vorkommende Baum ist die Gemeine Fichte (Picea abies), gefolgt von Rotbuche (Fagus sylvatica), Weißtanne (Abies alba) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus). Einige andere Arten kommen in geringeren Maßen vor, alle sind leicht zu identifizieren. Die Meereshöhe ist 970–1150 m. Die Hänge sind ziemlich steil und steinig.

 

Die Rachelseewand (ca. 50 ha) ist auch urwüchsig1, auch wenn ein Teil (reiner Fichtenwald) vom Buchdrucker (Ips typographus) vernichtet wurde; der Rest ist Fichten-Tannen-Buchen-Mischwald. Bäume sind nicht besonders groß, da das Reservat über 1070 m ü.M. liegt. Ein Pfad führt durch den östlichen Teil.2

 

Der Ruckowitzhäng (41 ha) ist vielleicht sogar der urwaldartigste Teil des Parks, dieser darf aber nicht betreten werden. Der höher gelegene Teil ist reiner Fichtenwald, der tiefer gelegene Teil Buche-Tanne-Fichte mit wenig Berg-Ahorn. Auch hier sind die Bäume nicht groß, das Reservat liegt bei 9901170 m auf steilen Nordhängen. Die ältesten Bäume sind ca. 300 Jahre alt.2 3

 

Das direkt neben einem Dorf (Zwieslerwaldhaus) liegende Urwaldgebiet Mittelsteighütte (38 ha) ist einigermaßen weniger urig, hat aber trotzdem 500-jährige 1 Weißtannen. Die Meereshöhe ist 720780 m. Der Wald wird von Rotbuchen, Weißtannen und Gemeinen Fichten zusammengesetzt. Tanne und Fichte erreichen über 50 m Höhen. Nur die Buche hat Verjüngung und der Bestand wird wahrscheinlich in Zukunft zu reinem Buchenwald. Der Unterwuchs ist sehr spärlich. In der Vergangenheit wurden alte Bäume neben den Wanderwegen aus Sicherheitsgründen gefällt2 (nach meiner persönlichen Meinung völlig übertrieben: man will einen alten ungestörten Wald vorstellen und dann fällt man einen Teil von den alten Bäumen!).

 

Der Hans-Watzlik-Hain (38 ha) ist noch etwas weniger urig aber hat die größten Bäume des Nationalparks. Der Wald wird von Rotbuchen und Weißtannen dominiert. Über 50 m hohe Tannen sind reichlich und die höchste am Waldrand stehende Tanne ist 53,8 m hoch (die höchste Tanne Deutschlands!), hat 665 cm Umfang und das Volumen von über 50 m3 4. Alte gesägte Stümpfe kann man stellenweise sehen. Der Unterwuchs ist sehr spärlich und es ist leicht im Wald zu wandern. Die Meereshöhe ist ungefähr 670680 m.

 

Es gibt auch einige kleinere Urwaldartige Bergmischwaldbestände.

 

Die jährliche Niederschlagsmenge in den obengenannten Gebieten beträgt 12001800 mm und die Jahresmitteltemperatur 3,5–7,5°C 3 5. Die Wälder können als gemäßigter Regenwald klassifiziert werden6. Das Zelten ist nicht erlaubt aber an der Grenze des Höllbachgsprengs gibt es eine Hütte, die man mieten kann.

 

Referenzen:

 

1       Sperber, G. & Thierfelder, S. (2005): Urwälder Deutschlands. BLV Verlagsgesellschaft mbH.

2       Michler, T., Nationalpark Bayerischer Wald, Pers. Mitteilung (2014, 2017).

3       Ausgewählte Naturwaldreservate in Bayern. Freistaat Bayern.

4       http://www.monumentaltrees.com/de/deu/bayern/regen/6704_hanswatzlikhain/13605/

5        http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/nationalpark/natur/klima/index.htm

6       DellaSala, D. A. (Ed.). 2011: Temperate and Boreal Rainforests of the World. Island Press.

 

Offizielle Website:

 

http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/


Wald von Gemeiner Fichte (Picea abies) im Höllbachgspreng. Weißtannen (Abies alba) -Nachwuchs.
Wald von Gemeiner Fichte (Picea abies) im Höllbachgspreng. Weißtannen (Abies alba) -Nachwuchs. Links Rotbuchen (Fagus sylvatica) -Blätter. Rechts Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) -Blätter.
Wald von Gemeiner Fichte (Picea abies) im Höllbachgspreng. Fichten - und Weißtannen (Abies alba) -Nachwuchs, die letztere mit blaugrünen Nadeln. Große Rotbuche (Fagus sylvatica), im Hintergrund mitte. Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), mitte links.
Wald von Gemeiner Fichte (Picea abies) im Höllbachgspreng. Weißtannen (Abies alba) und Rotbuchen (Fagus sylvatica) -Nachwuchs.
Wald von Gemeiner Fichte (Picea abies) und Rotbuche (Fagus sylvatica) im Höllbachgspreng.
Wald von Gemeiner Fichte (Picea abies) im Höllbachgspreng.
Höllbachgspreng. Gemeine Fichte (Picea abies, gerade Stämme), Weißtanne (Abies alba, der große Baum, im Hintergrund mitte und die Äste rechts), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus, dünne Stämme und Äste im Vordergrund), Rotbuche (Fagus sylvatica, mitte rechts und unten am Abhang).
Höllbachgspreng. Sämlinge von Gemeiner Fichte (Picea abies). Im Hintergrund Fichte (der größere Stamm) und Rotbuche (Fagus sylvatica).
Großer Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) im Höllbachgspreng. Zwei kleinere Berg-Ahorne, im Hintergrund links. Rotbuche (Fagus sylvatica), junge Bäume.
Große Weißtannen (Abies alba) und Gemeine Fichte (Picea abies, der größere von den zusammegewachsenen Stämmen), und dünne Rotbuchen (Fagus sylvatica) im Urwaldgebiet Mittelsteighütte.
Rotbuche (Fagus sylvatica) im Urwaldgebiet Mittelsteighütte.
Hans-Watzlik-Hain. Zwei Weißtannen (Abies alba) mit gefurchter Rinde. Rotbuchen (Fagus sylvatica), die anderen Bäume.