baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

©2017copyright christoph hase

Mtirala-Nationalpark, Georgien

 

Innerhalb des Parkgebiets gab es bis 1961 ein Naturreservat, welches dann leider abgeschafft wurde1. Der Nationalpark (158 km2) wurde erst 2007 gegründet. Dieser grenzt am Kintrishi-Naturreservat (139 km2) an.

 

Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt mehr als 2500 mm, sogar bis 4000 mm 2 an einigen der obersten Hänge; somit ist diese der regenreichste Platz im Kaukasus sowie in der ganzen ehemaligen Sowjetunion1. Die Jahresmitteltemperatur in den hier beschriebenen höheren Lagen des Parks beträgt 9–10°C 2. Die Wälder wurden oft als gemäßigte Regenwälder bezeichnet. Im Vergleich zu den gemäßigten Regenwäldern der Pazifikküste Nordamerikas (siehe Opens internal link in current windowOlympic-Nationalpark) und der südlichen Hemisphäre (siehe Opens internal link in current windowTarkine) ist das Klima etwas kontinentaler. Die sommerliche Trockenperiode, ein wichtiges Merkmal der Pazifikküste Nordamerikas, fehlt3. Als eine Folge dieser klimatischen Unterschiede besteht der Wald aus sommergrünen Laubbäumen. Die Wälder Nordirans (siehe Opens internal link in current windowElburs-Gebirge) und Westgeorgiens haben viele gemeinsame Merkmale3.

 

Die Meereshöhe reicht von ca. 200 m bis 1764 m. Die Hänge sind steil. Wie in Nordiran, gab es auch im Tiefland Westgeorgiens und an den angrenzenden Gebieten einen glazialen Refugialraum3; somit können auf den unteren Hängen des Parks viele regionale Endemiten gefunden werden. Allerdings sind die Wälder der niedrigen Lagen nicht am natürlichen Zustand. In den höheren Lagen wurden einzelne Bäume vor der Gründung des Parks gefällt4, aber der Wald sieht trotzdem fast ungestört aus, mit großen und toten Bäumen; hier ist aber die Vielfalt eher niedrig. Für Informationen über die Baumbestimmung, siehe Opens internal link in current windowBorjomi-Naturreservat. Fagus orientalis (Orient-Buche) dominiert. Die anderen reichlich vorhanden Bäume sind Castanea sativa (Edelkastanie), Carpinus betulus (Hainbuche) und Alnus glutinosa subsp. barbata (Schwarz-Erle) 2. Hier ist A. glutinosa nicht an Flussufern und Feuchtgebiete beschränkt, sondern wächst auch auf den Hängen und Bergrücken. C. sativa war früher in den Wäldern Georgiens weit verbreitet, aber heute ist sie nur in den schwer zugänglichen Bergen zu finden5.

 

Ein bemerkenswerter Unterschied zu den europäischen Fagus sylvatica (Rotbuche) -Wäldern (siehe Opens internal link in current windowNaturschutzgebiet Heilige Hallen) ist der Unterwuchs, der in der Regel aus einer dichten, meist immergrünen, vegetativ verbreitenden Strauchschicht besteht. Die häufigste Art ist Rhododendron ponticum (Pontischer Rhododendron), die anderen häufigen Arten sind Rhododendron ungernii (Ungerns Rhododendron), Prunus laurocerasus (Lorbeerkirsche), Ilex colchica und Vaccinium arctostaphylos, von denen nur die letztgenannte sommergrün ist. Im F. orientalis -Wäldern auf den oberen Hängen ist die Strauchschicht oft nur etwa meterhoch, aber alle erwähnten immergrünen Arten können in günstigen Lagen bis zu 10 m erreichen, V. arctostaphylos erreicht höchstens ca. 5 m 6. Stellenweise gibt es auch Waldböden, die den von F. sylvatica -Wäldern ähneln, z.B. eine niedrige dornige Rubus-Strauchschicht und einen fast nicht existierenden Unterwuchs. Das Kronendach ist nicht besonders dicht. Kletterpflanzen gibt es wenig auf F. orientalis, aber mehr auf den anderen Bäumen. Die oberen Hänge sind fast täglich in Nebel gehüllt4.


Der Park hat zwei Wanderwege. Der kürzere, der durch Juglans regia (Echte Walnuss) - und andere Plantagen führt, ist meistens außerhalb des Parks und ist die Mühe nicht wert, wegen des Waldes zu wandern (der Wanderweg endet an einem Wasserfall). Aber der längere (gemeint als zweitägig aber möglich in einem langen Tag zu wandern) führt in den höheren Lagen durch prächtige F. orientalis -Wälder. Das Übernachten ist erlaubt in einem Campingplatz in der Nähe des oben genannten Wasserfalls und in einer Hütte am Ende des längeren Wanderweges bei 1235 m. Die Wanderwege beginnen am Dorf Chakvistavi, das mit dem Taxi von Chakvi zu erreichen ist (die 15 km Fahrt auf einem sehr schlechten Weg dauert 45 min).

 

Referenzen:

 

1       Krever, V. et al. (Eds.) 2001: Biodiversity of the Caucasus Ecoregion. An Analysis of Biodiversity and Current Threats and Initial Investment Portfolio. WWF.

2       Memiadze, N. et al. (2013): Opens external link in new windowFlora of Mtirala National Park. International Caucasian Forestry Symposium.

3       Nakhutsrishvili, G. (2013): The Vegetation of Georgia (South Caucasus). Springer.

4       Mtirala National Park administration, Pers. Mitteilung (2014).

5       Bobokashvili, Z. & Maghradze, D. (2009): Georgia. In Avanzato, D. (Ed.): Following Chestnut Footprints (Castanea spp.).

6       Schmidt (2002-7): Bäume und Sträucher Kaukasiens. Mitt. Dtsch. Dendrol. Ges. 87-92.

 

Offizielle Website:

 

http://apa.gov.ge/en/protected-areas/cattestone/mtiralas-erovnuli-parkis-administracia

 

Video:

 

http://www.youtube.com/watch?v=FRR4yNY_iz4


Fagus orientalis (Orient-Buche) -Wald. Meereshöhe ca. 800 m.
Fagus orientalis (Orient-Buche) -Wald. Meereshöhe ca. 1000 m.
Zwei Tilia dasystyla subsp. caucasica (Kaukasische Linde) bei ca. 1100 m.
Fagus orientalis (Orient-Buche) bei ca. 1100 m.
Bachtal bei ca. 1100 m. Alnus glutinosa subsp. barbata (Schwarz-Erle, links) und blühender Rhododendron ungernii (Ungerns Rhododendron).
Aussicht in den Park.
Fagus orientalis (Orient-Buche) -Wald. Auch kleine Castanea sativa (Edelkastanie, mitte links). Rhododendron ponticum (Pontischer Rhododendron) -Unterholz.
Fagus orientalis (Orient-Buche), Umfang 536 cm. Rhododendron ponticum (Pontischer Rhododendron) -Unterholz. Meereshöhe ca. 900 m.
Einige Arten in Höhenlagen (Unterholzarten unten).