baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

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Quetico-Provinzpark, Ontario, Kanada

 

Quetico (4760 km2) und das angrenzende Boundary Waters Canoe Area Wilderness (BWCAW, 4400 km2) hinter der US-Grenze von Minnesota bilden zusammen ein riesiges Naturschutzgebiet. Tausende Seen mit sauberem Wasser, schöne kleine Flüsse, keine Motorboote, keine Hütten und keine Abholzungen – ein Paradies für Kanufahrer! Nach einem langen Kampf trat im Jahr 1973 in Quetico ein Abholzungsverbot in Kraft1 und im Jahr 1978 im BWCAW2. 1500–2000 km2 Urwald blieb im Quetico3 und 1520 km2 im BWCAW erhalten4. Leider gibt es keine Karte von den Urwaldgebieten Queticos, die früher abgeholzten Teilgebiete wurden offensichtlich nicht gut genug dokumentiert, aber ein 971 km2 großes5 Gebiet bekannt als Hunter Island (keine echte Insel) ist fast völlig unberührt3. Für das BWCAW gibt es genaue Karten von den nicht abgeholzten Teilgebieten. Ein Großteil vom Gebiet ist wahrscheinlich unberührt sogar von den indigenen Völkern, weil ihre Anzahl gering war und sie in der Nähe der Wasserwege blieben6.

 

Der Provinzpark liegt bei ca. 400 m ü.M. auf dem Kanadischen Schild. Das Grundgestein ist meistenteils Granit und die Böden dünn und nährstoffarm; folglich ist die Produktivität niedrig. Es gibt kleine Gebiete mit metamorphen, sedimentären und vulkanischen Grundgesteinen; die Wälder auf diesen sind produktiver und vielfältiger. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 744 mm und die Jahresmitteltemperatur 2.0°C. 5

 

Der Park liegt in der Übergangszone zwischen den gemäßigten Laubwäldern im Süden und den borealen Wäldern im Norden aber so nah an der nördlichen Grenze der Zone, dass der Vegetationscharakter überwiegend boreal ist7. Es gibt jedoch südliche Elemente, mehr oder weniger selten, die auf die gemäßigte Zone hindeuten, wie Acer (Ahorne), Quercus (Eichen), Fraxinus pennsylvanica (Rot-Esche), Populus grandidentata (Großzähnige Pappel) und Betula alleghaniensis (Gelb-Birke). Pinus banksiana (Banks-Kiefer) ist der wichtigste Baum, gefolgt von Picea mariana (Schwarz-Fichte)7. Auch Populus tremuloides (Amerikanische Zitterpappel) und Betula papyrifera (Papier-Birke) sind sehr reichlich5. Pinus strobus (Weymouth-Kiefer) und Pinus resinosa (Amerikanische Rot-Kiefer) wachsen oft an den Ufern und erscheinen daher einem Kanufahrer häufiger als sie tatsächlich sind5. Zusammen bilden diese Arten etwa 8% von der Waldfläche7, aber etwa 25% waren es vor der Abholzungen und Brandbekämpfung (die besten P. strobusP. resinosa –Wälder wurden zuerst abgeholzt)2. Die bewaldeten Moore werden von P. mariana dominiert5. Insgesamt gibt es mehr als 30 Baumarten7. Die meisten sind leicht zu identifizieren, aber z.B. Sorbus americana (Kanada-Eberesche) und S. decora sind schwerer zu unterscheiden.

 

Der natürliche Feuerzyklus beträgt ca. 70–80 Jahre 5. Zwischen 1940 und 1976, in der Zeit der effektiven Brandbekämpfung, gab es sehr wenige Waldbrände1. Heute dürfen einige vom Blitz ausgelöste Brände brennen; das geschätzte Feuerintervall ist heute etwa 300 Jahre 5. Vor der Brandbekämpfung verbrannten Große Kronenbrände die meiste Fläche, aber heute dürfen sie sich nicht entwickeln2. Aufgrund der Knappheit der Waldbrände in den letzten Jahrzehnten ist die schattentolerante und feuerempfindliche Abies balsamea (Balsam-Tanne) jetzt reichlich im Unterwuchs2. Alle Hauptbaumarten haben sich den Bränden gut angepasst: P. banksiana und P. mariana haben serotine Zapfen, die sich erst nach einem Waldbrand öffnen; das Resultat ist extrem dichter Jungwuchs. P. tremuloides verjüngt sich reichlich aus Wurzelbrut, B. papyrifera treibt Sprossen aus Baumstümpfen und produziert leichte Samen8, und P. strobus und P. resinosa haben feuerresistente Rinde2.


Es gibt nur ein paar kurze Wanderwege an der nördlichen Grenze; meistenteils ist der Park nur mit dem Kanu zugänglich. Das Wandern im Wald ist schwer: in den älteren Wäldern gibt es dichte A. balsamea –Verjüngung fast überall, die von der dichten P. banksiana – und P. mariana –Postfeuer-Verjüngung stammenden gefallenen Stämme sind zahlreich und auch Moore sind häufig. Queticos meist intensive Nutzung befindet sich im südlichen Teil, wohin die US-amerikanischen Kanufahrer direkt vom BWCAW kommen; im Norden befindet sich die meist intensive Nutzung in dem vom French Lake zugänglichen Teil5. Fast niemand geht von den Ufern weit in den Wald. Der Zeitraum mit den meisten Besuchern ist vom 25.7. bis 15.8. 9. Im Vergleich zum BWCAW ist Quetico etwas wilder: keine Jagd, mehr Waldbrände in den 1900er Jahren 2, strengere Quoten, keine Latrinen, keine Feuerstätten und keine ausgewiesene Campingplätze1. Im Gegensatz zum BWCAW ist das Zelten im Quetico überall erlaubt. Obwohl die Kraftfahrzeuge im Park verboten sind, kann man nicht dem Motorgeräusch entfliehen: viele Linienflüge gehen über den Park und zumindest in der Hochsaison gibt es auch viele kleine Flugzeuge (die Landung ist verboten).

 

Referenzen:

 

1       Nelson, J. (2009): Quetico, Near to Nature’s Heart. Natural Heritage Books.

2       Heinselman, M. (1996): The Boundary Waters wilderness ecosystem. University of Minnesota Press.

3       Frelich, L., Pers. Mitteilung (2008).

4       Frelich, L. (1995): Old Forest in the Lake States Today and Before European Settlement. Natural Areas Journal 15: 157-67.

5       Quetico Background Information. 2007. Ontario Parks.

6       Ahlgren, C. & Ahlgren, I. (1984): Lob Trees in the Wilderness. University of Minnesota Press.

7       Walshe, S. (1980): Plants of Quetico and the Ontario Shield. University of Toronto Press.

8       Agee, J. K. (1998): Fire and pine ecosystems. In Richardson, D. M. (Ed.): Ecology and Biogeography of Pinus. Cambridge University Press.

9       Clark, J., Canoe Canada Outfitters, Pers. Mitteilung (2013).

 

Offizielle Website:

 

http://www.ontarioparks.com/park/quetico


Pinus resinosa (Amerikanische Rot-Kiefer) -Bestand am Elisabeth Lake. Auch Sorbus decora -Sämling, unten; Pinus strobus (Weymouth-Kiefer) -Sämling, mitte unten; Abies balsamea (Balsam-Tanne) -Sämlinge, unten links und im Hintergrund.
Fred Lake. Meistens Pinus banksiana (Banks-Kiefer) und Picea mariana (Schwarz-Fichte, schmale Kronen). Auch einige breite Kronen von Pinus strobus (Weymouth-Kiefer), im Hintergrund.
Fred Lake. Meistens Pinus banksiana (Banks-Kiefer) und Picea mariana (Schwarz-Fichte, die schmalen dunklen Kronen).
Picea mariana (Schwarz-Fichte) -domierter Wald. Auch eine dickere Pinus banksiana (Banks-Kiefer, links), Betula papyrifera (Papier-Birke, rechts im Vordergrund) und eine kleine Abies balsamea (Balsam-Tanne, mitte rechts).
Populus tremuloides (Amerikanische Zitterpappel) -Wald im Hintergrund. Reichlich kleine Abies balsamea (Balsam-Tanne), drei dickere Pinus banksiana (Banks-Kiefer), Acer spicatum (Vermont-Ahorn, im Vordergrund) und Betula papyrifera (Papier-Birke, mitte links).
Pinus strobus (Weymouth-Kiefer, links), Pinus resinosa (Amerikanische Rot-Kiefer, rechts) und reichlich kleine Abies balsamea (Balsam-Tanne). Weitere große P. resinosa hinter den A. balsamea.
Pinus-Urwaldbestand am Sturgeon Lake. Pinus strobus (Weymouth-Kiefer, mit langen waagrechten Ästen) und Pinus resinosa (Amerikanische Rot-Kiefer, die anderen hohen Bäume). Fraxinus pennsylvanica (Rot-Esche) entlang des Ufers.
Fraxinus nigra (Schwarz-Esche, die dunklen Stämme) - Betula papyrifera (Papier-Birke, die weißen Stämme) -Wald entlang eines Baches. Auch eine kleine Ulmus americana (Amerikanische Ulme, mitte links).
Fraxinus nigra (Schwarz-Esche), auch im Hintergrund und die Blätter oben links. Acer spicatum (Vermont-Ahorn) -Blätter, oben rechts.
Fraxinus nigra (Schwarz-Esche) -Bestand. Auch weiße Stämme von Betula papyrifera (Papier-Birke, am linken Rand), Picea glauca (Weiß-Fichte) und kleine Ulmus americana (Amerikanische Ulme, links und mitte rechts).
Thuja occidentalis (Abendländischer Lebensbaum) und Fraxinus pennsylvanica (Rot-Esche, rechts) entlang des Ufers. Im Hintergrund Pinus banksiana (Banks-Kiefer) und Picea mariana (Schwarz-Fichte, die dunklen Kronen). Auch ein weißer Stamm von Betula papyrifera (Papier-Birke, rechts).
Acer rubrum (Rot-Ahorn), links; hinter diesem Fraxinus nigra (Schwarz-Esche). Alnus incana subsp. rugosa (Runzelblättrige Erle), rechts im Vordergrund. Picea mariana (Schwarz-Fichte), rechts im Hintergrund.
Allan Creek. Im Feuchtgebiet Pinus banksiana (Banks-Kiefer) und Larix laricina (Ostamerikanische Lärche, die lichten schmalen Kronen, links).
Verkümmerte Pinus resinosa (Amerikanische Rot-Kiefer) an einem namenlosen kleinen See. Zwei kleine Pinus banksiana (Banks-Kiefer), unten rechts. Die gleichen Arten im Hintergrund, P. resinosa mit langen Nadeln.
Namenloser kleiner See. Pinus banksiana (Banks-Kiefer), Pinus strobus (Weymouth-Kiefer, mit langen waagrechten Ästen), Abies balsamea (Balsam-Tanne, die kleinen kegelförmigen Bäume), Populus tremuloides (Amerikanische Zitterpappel, die Laubbäume mit weißen Stämmen).
Einige Laubbäume vom Park.