baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

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Cahnov-Soutok-Nationales-Naturreservat, Tschechien

 

In Mitteleuropa wurden die ursprünglichen Auenwälder so vollständig zerstört, dass dieses kleine Reservat und das nahe gelegene Ranšpurk-Nationales-Naturreservat auf der Aue des Flusses Morava für ihre Größe und Qualität einzigartig sind1. Auch im paneuropäischen Maßstab ist dies eines der wertvollsten Auenwaldreservate2, obwohl es sich streng genommen um keinen richtigen Urwald handelt (siehe unten), die Gesamtfläche beträgt nur 17 ha 3 und ist noch in zwei nahe gelegene aber getrennte Teile gespalten: Cahnov und Soutok 4. So ist die zusammenhängende Fläche eigentlich viel kleiner als die 30 ha, die für ein langfristig funktionierendes Reservat geschätzt wurde1.

 

Plenterbetrieb und Beweidung erfolgte bis 1873, dann wurden diese Aktivitäten verboten; danach gab es noch etwa 60 Jahre lang wenig lokale Entnahme von toten Bäumen aus den Waldrändern3. Es gibt dokumentierte Beweise dafür, dass das Reservat seit Anfang der 1930er Jahre der spontanen Entwicklung überlassen wurde, einschließlich der Nichtentfernung von totem Holz3.

 

Eine durchschnittliche jährliche Überschwemmung vor der Bedeichung des Flusses im Jahr 1976 dauerte 50 Tage 5. Die Bedeichung hat die Überschwemmungen beendet, aber diese wurden im Jahr 1991 teilweise wiederhergestellt3, heute dauert eine jährliche Überschwemmung 2-3 Wochen 4. Dennoch bringen sie heute deutlich weniger fruchtbare Sedimente als die natürlichen Überschwemmungen3. Die Bedeichung und überdichte Herbivorenbestände (siehe unten) haben die Qualität des Reservats verringert1.

 

Heute sind die wichtigsten Baumarten (vom Holzvolumen) Fraxinus angustifolia (Schmalblättrige Esche) und Quercus robur (Stieleiche). Die anderen Baumarten sind Acer campestre (Feldahorn), Carpinus betulus (Hainbuche), Tilia cordata (Winterlinde), Ulmus laevis (Flatterulme), Alnus glutinosa (Schwarz-Erle), Crataegus monogyna (Eingriffeliger Weißdorn ), Crataegus laevigata (Zweigriffeliger Weißdorn), Malus sylvestris (Holzapfel), Pyrus communis (Wildbirne), Populus alba (Silber-Pappel) 3 und Salix alba (Silber-Weide) 6. Die Aue ist das nördlichste natürliche Vorkommen von F. angustifolia 4.

                                                                                                            

Ab 1971 war das Reservat ein Teil eines Wildparks, was in den folgenden 30 Jahren zu einer verminderten oder fehlenden natürlichen Verjüngung führte. Das Kerngebiet von Cahnov wurde erst 2004 umzäunt, was zu einer von A. campestre und F. angustifolia dominierten Massenregeneration führte – diese Arten können in der Zukunft vorherrschen3. Allerdings brechen Wildschweine oft durch den Zaun, und Rehe treten durch die Löcher ein4. In der Zeit des Plenterbetriebes vor 1873 wurde Q. robur bevorzugt; heute kann sie sich wegen des tiefen Schattens unter dem Kronendach nicht verjüngen, und ihr Anteil nimmt stetig ab3; der Rückgang der alten Q. robur -Bäume wurde durch die Beendigung der Frühjahrsfluten von 1976 bis 1991 beschleunigt7. Das Ulmensterben (Ophiostoma novo-ulmi) hat einen Rückgang von U. laevis verursacht7 und U. minor (Feldulme) vernichtet.

 

Die Meereshöhe variiert zwischen 150 und 153 m; die mittlere Jahrestemperatur beträgt 9,3°C und die jährliche Niederschlagsmenge 517 mm 7.

 

Ranšpurk-Reserve ist ähnlich aber hat eine dichtere Baumverjüngung4. Es ist eine Sondergenehmigung nötig, um diese Reservate zu besuchen.

 

Referenzen:

 

1       Korpel’, Š. (1995): Die Urwälder der Westkarpaten. Gustav Fischer Verlag.

2       Schnitzler, A. (1994): Conservation of biodiversity in alluvial hardwood forests of the temperate zone. The example of the Rhine valley. For Ecol Manage 68: 385–398.

3       Janik, D. et al. (2008): Opens external link in new windowTree layer dynamics of the Cahnov–Soutok near-natural floodplain forest after 33 years (1973–2006). European Journal of Forest Research 127(4):337–345.

4       Úradníček, L., Mendel University in Brno, Pers. Mitteilung (2016).

5       Penka, M. (1985): Floodplain forest ecosystems I. Academia, Praha.

6       http://www.cittadella.cz

7       Král. K., McMahon, S. M., Janík, D., Adam, D & Vrska, T. (2014): Opens external link in new windowPatch mosaic of developmental stages in central European natural forests along vegetation gradient. Forest Ecology and Management. 330: 17-28.

 

Offizielle Website:

 

http://www.cittadella.cz/europarc/index.php?p=index&site=NPR_cahnov_en


Fraxinus angustifolia (Schmalblättrige Esche) entlang des Flusses und im Vordergrund.
Fraxinus angustifolia (Schmalblättrige Esche), links vom Fluss; Carpinus betulus (Hainbuche), beblätterte Äste rechts; Tilia cordata (Winterlinde) -Blätter oben.
Große gefallene Quercus robur (Stieleiche); Carpinus betulus (Hainbuche), Mitte und Blätter links; Acer campestre (Feldahorn) -Blätter, rechts.
Quercus robur (Stieleiche); auch Acer campestre (Feldahorn, der kleine Baum) und Jungwuchs von A. campestre und Tilia cordata (Winterlinde).
36,5 m hohe Fraxinus angustifolia (Schmalblättrige Esche), Mitte mit Spitze sichtbar. Die anderen großen Bäume sind auch F. angustifolia. Carpinus betulus (Hainbuche) mit dichtbeblätterten Ästen.
Ulmus laevis (Flatterulme).
Wald Cahnovs neben einer Wiese.