baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

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Taman Negara, Malaysia


Bis zu den 1950er Jahren war der größte Teil Westmalaysias noch von Urwald bedeckt; vor allem wegen der schnell verbreitenden Ölpalmen- und Kautschukplantagen sind heute fast alle diese Wälder verschwunden, mit Ausnahme einiger streng geschützter Gebiete, darunter Taman Negara (was "Nationalpark" bedeutet) 1. Der Park ist größtenteils von unberührtem Regenwald bedeckt 2 3 4. Viele große Säugetiere, die längst aus den meisten anderen Teilen der Welt ausgerottet wurden, leben immer noch hier – z.B. Elefant, Wildrind (Gaur), Tapir, Gibbon, Tiger, Leopard, möglicherweise auch Nashorn3 5. Malaysias Naturschutzgebiete galten als gut geschützt, anders als beispielsweise Indonesiens Parks6 mit ihrem wuchernden illegalen Holzeinschlag1. Allerdings im nördlichen Teil von Taman Negara, der zum Staat Kelantan gehört (1043 km2 von 4343 km2 des ganzen Parks), wurden Beweise von weitverbreiteten illegalen Holzeinschlägen kürzlich entdeckt; diese sind kaum bekannt, aber die Spuren sind auf Satellitenbildern (z.B. Google Maps) deutlich sichtbar7. Dennoch sind die anderen Teile vom Taman Negara bei weitem immer noch der größte unberührte Wald in Malaysia. Ca. 300 Ureinwohner ("Orang Asli") leben innerhalb des Parks in einigen Dörfern8 in der Nähe von Flüssen3. Sie dürfen im Park jagen und sammeln3. Ihre Zahl war jedoch immer niedrig9, und ihr Einfluss ist nur in der Nähe der Dörfer und stellenweise in der Nähe von Flüssen und Parkgrenzen zu sehen.

 

Der Park besteht hauptsächlich aus Tiefland. Der höchste Gipfel des Parks und vom gesamten Westmalaysia ist Gunung Tahan mit 2187 m. Sedimentgesteine dominieren mit 83% der Parkfläche10. Die Jahresmitteltemperatur in den tiefsten Lagen beträgt ca. 26°C und variiert über das Jahr nur um etwa 2°C. 11. Der Niederschlag variiert viel mehr und ist am Höchsten im Oktober bis Dezember und am Niedrigsten im Februar, welcher der einzige Monat mit der durchschnittlichen Niederschlagsmenge ein Wenig unter 100 mm ist11. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 2260 mm im Tiefland2 und fast 4000 mm in den Bergregionen3. Tropische Wirbelstürme kommen nicht vor1.

 

Die Baumidentifikation in den Wäldern Südostasiens ist als die größte Herausforderung in der Feldbotanik betrachtet worden12, obwohl es auch einige Gattungen und Arten gibt, die ziemlich leicht zu lernen sind. Früher beruhte ein Teil der Herausforderung aus der Schwierigkeit heraus zu entscheiden, welche abgefallenen Blätter vom zu Bestimmung stehenden Baum sind, da jeder Nachbarbaum eine andere Art sein kann, deren Blätter sich hoch über dem Boden befinden und die Blattformen sich oft ungefähr ähnlich sind. Heutzutage kann man jedoch Superzoom-Kameras verwenden: Fotos von Baumkronenblättern mit der größten Vergrößerung aufnehmen und das Bild weiter auf dem Monitor zoomen; viele Blattdetails können jetzt gesehen werden und so ist es oft möglich zu entscheiden, von welchem Baum welche Blätter stammen. Ein Experte kann die überwiegende Mehrheit der Baumarten, einschließlich Dipterocarpaceae 13, allein von der Blattmorphologie identifizieren1. Aber z.B. Shorea spp. und einige andere verwandte Gattungen können immer noch große Schwierigkeiten machen, da mehrere Shorea-Arten oft nebeneinander wachsen und ziemlich ähnliche Blätter haben. Der zweite Teil der Herausforderung ist das Fehlen eines öffentlich zugänglichen synoptischen Bestimmungsschlüssels für Familien. "Pocket Check List of Timber Trees" von Wyatt-Smith & Kochummen hat einen traditionellen Schlüssel, der aber nicht alle Familien enthält und Eigenschaften von geschnittener Rinde zu viel nutzt. Wenn Sie eher ein "Baumliebhaber" als ein Förster sind, werden Sie wahrscheinlich nicht bereit sein, die Rinde jedes Baumes zu schneiden, den Sie identifizieren möchten. "A Field Guide to the Forest Trees of Brunei Darussalam, Volume 1", von Ashton, Kamariah & Said, hat einen viel besseren Schlüssel, der aber hauptsächlich für Nordborneo gemacht wurde. Wenn Sie die Familie kennen, ist die Bestimmung möglich mit den guten Schlüsseln von "Tree Flora of Malaya", Vol. 1-4, von Whitmore & Ng, aber Dipterocarpaceae ist nicht darin. Für Dipterocarpaceae gibt es einen synoptischen Bestimmungsschlüssel, ein altes DOS-Programm "Foresters' CD-ROM Manual of Malesian Dipterocarps" von Newman, Burgess & Whitmore. Dies kann mit DOSBox in den heutigen Betriebssystemen ausgeführt werden. Leider gibt es Fehler im Schlüssel. Eine Alternative ist "Foresters’ Manual of Dipterocarps" von Symington, Ashton & Appanah, aber der Schlüssel basiert wieder hauptsächlich auf Eigenschaften von geschnittener Rinde. Alle diese Führer, abgesehen von Symington, sind schwer zu bekommen. Der dritte Teil der Herausforderung ist natürlich die hohe Anzahl von den Baumfamilien, Gattungen und Arten. Die Anzahl der Baumarten in Taman Negara ist nicht bekannt, aber das gesamte Westmalaysia besitzt etwa 3100 Baumarten 1. Der Typischer Tieflandwald in Taman Negara hat etwa 200 Baumarten pro Hektar 10.

 

Zu den wichtigsten Baumgattungen in den Tieflandwäldern von Taman Negara gehören Shorea und Dipterocarpus (Dipterocarpaceae), Elateriospermum (Euphorbiaceae), Koompassia und Intsia (Fabaceae), Syzygium (Myrtaceae) und Knema (Myristicaceae) 10 14 15. Die Baumartenvielfalt in den Auwäldern ist nur ca. 40% von der in den sonstigen Tieflandwaldärn2. Große Dipterocarpus oblongifolius -Bäume, die sich über die Flüsse neigen, sind auffällig. Zu den anderen wichtigen Auwald- und Uferbäumen gehören Dysoxylum arborescens und D. angustifolium (Meliaceae), Intsia palembanica (Fabaceae), Pometia pinnata (Malugai, Sapindaceae) und Pterocymbium tinctorium und Pterospermum acerifolium (Malvaceae) 2 9 10 16. Im Gegensatz zu den vielfältigen Boden- und Kletterpalmen (Arecaceae), sind die nicht reichlich vorhandenen hohen Baumpalmen leicht zu identifizieren, Oncosperma horridum ist eine häufige Art17. Cycas (Cycadaceae) ist häufig im Tieflandwald17.

 

Aufgrund des Mangels von zuverlässigen Höhenmessungen wurden die Baumhöhen häufig unterschätzt, z.B. "große immergrüne Bäume... erreichen Höhen zwischen 30–50 m (Mengarisbaum – Koompassia excelsa)" 10. Laut meinen Messungen (mit TruPulse 200X Laser) sind 60 m hohe und höhere K. excelsa -Bäume (nicht immergrün!) häufig; das höchste Exemplar dieser Art, das ich gemessen habe, war 69,3 m. K. excelsa ist vielleicht der größte und höchste Baum in Taman Negara. Auf den fruchtbaren vulkanischen Böden von Ost-Sabah kann die Art sogar fast 20 m höher sein18. Dieser prächtige Baum hat große Brettwurzeln, einen schönen gelblich-weißen glatten säulenartigen Stamm mit dicken ausbreitenden Ästen hoch über dem Boden und eine mächtige, breite Krone. Auch viele Dipterocarpaceae erreichen 60 m und mehr.

 

Große Pflanzenfresser, insbesondere Elefanten, können einen wesentlichen Einfluss auf die Struktur des Waldes haben: sie essen und trampeln Pflanzen und schaffen und erhalten damit Lücken und Pfade, insbesondere um natürliche Salzleckstellen9.

 

Taman Negara kann an vier Eingangspunkten betreten werden: Kuala Koh im Norden, Sungai Relau im Westen, Kenyir Lake im Nordosten und Kuala Tahan im Süden. Besuchereinrichtungen haben sich in letzter Zeit zunehmend auf den letztgenannten Eingangspunkt konzentriert. Am Sungai Relau gibt es keine Unterkünfte mehr und die Unterkunft am Kuala Koh ist geschlossen (Stand 2018). Auch die Wanderrouten konzentrieren sich auf Kuala Tahan, was ausgedehnte Wildnisgebiete für fast alle Besucher unzugänglich lässt. Von Kuala Tahan aus können einige ein wenig abgelegenere Orte mit dem Motorboot-Taxi erreicht werden. Die Hauptsaison ist von April bis August8. Es ist möglich, ohne Führer zu wandern. Auch längere mehrtägige Wanderungen sind in diesem Park möglich, z.B. die anstrengende Route zum Gipfel des Gunung Tahan (nur mit Führer). Es gibt viele potentielle Gefahren – wie Elefanten, Schlangen, Wespen, Hornissen, Bienen, das Denguefieber, Leptospirose – aber die Risiken sind klein, wahrscheinlich kleiner als das Fahren auf malaysischen Straßen! Anders als oft gedacht, ist das Risiko von Schlangen gering, das von aggressiven Wespen, Hornissen und Bienen höher19. Die gefährlichsten Hornissen nisten im Boden; wenn sie angreifen, heißt es sofort wegrennen! 4 Von den großen Tieren hat nur der Elefant Menschen im Parkgebiet angegriffen8. Wenn Sie einen sehen, sollten Sie sich sofort zurückziehen19. Das Denguefieber ist ein Risiko19 aber Malaria kaum8. Das größte Problem für Wanderer aus den gemäßigten Breiten ist wahrscheinlich das heiße, feuchte und regnerische Klima, und außerhalb der gut gepflegten Pfade auch die dornigen kletternden und strauchartigen Rattanpalmen. Während und nach dem Regen gibt es Blutegel zuhauf, bei trockenem Wetter verschwinden sie fast völlig. Das üppige Grün füllt das Sichtfeld und der ständige Lärm von Grillen und Zikaden die Geräuschlandschaft; die lautesten Zikaden geben beim Sonnenuntergang ihre Geräusche (sogar 120 dB!) ab.

 

Referenzen:

 

1       Ashton, P. (2014): On the Forests of Tropical Asia: Lest the memory fade. Kew.

2       Zani, N. F., Suratman, M. N. & Khalid, F. (2013): Opens external link in new windowFloristic Composition and Diversity in Lowland Dipterocarp and Riparian Forests of Taman Negara Pahang. 2013 IEEE Symposium on Humanities, Science and Engineering Research.

3       Bowden, D. (2001): Taman Negara: Malaysia’s Premier National Park. New Holland.

4       Rubeli, K. (1986): Tropical Rain Forest in South-East Asia. Tropical Press.

5       http://www.asianrhinos.org.au/about_us/current_projects/sumatran_rhino_indonesia_programs/asian_rhino_specialist_group/

6       MacKinnon, K. (2005): Parks, People, and Policies: Conflicting Agendas for Forests in Southeast Asia. In Bermingham, E., Dick, C. W. & Moritz, C. (Eds.): Tropical Rainforests: Past, Present, and Future. University of Chicago.

7       https://www.rainforestjournal.com/taman-negara-national-park/

8       Pers. Mitteilung (2017)

9       Whitmore, T. C. (1984): Tropical Rain Forests of the Far East. Oxford.

10   Suratman, M. N. (2012): Opens external link in new windowTree Species Diversity and Forest Stand Structure of Pahang National Park, Malaysia. In Lameed, G. A. (Ed.): Biodiversity Enrichment in a Diverse World. InTech, Rijeka.

11   https://en.climate-data.org/                                     

12   LaFrankie, J. V. (2010): Trees of Tropical Asia: An Illustrated Guide to Diversity. Black Tree.

13   Symington, C. F., Ashton, P. S. & Appanah, S. (2004): Foresters’ Manual of Dipterocarps. FRIM & Malaysian Nature Society.

14   Nizam, M. S., Norziana, J. & Latiff, A. (2006): Edaphic Relationships among Tree Species in the National Park at Merapoh, Pahang, Malaysia.

15   Nizam, M. S., Rohani, S. & Wan Juliana, W. A. (2012): Opens external link in new windowFloristic Variation of Tree Communities in Two Distinct Habitats within a Forest Park in Pahang, Peninsular Malaysia. Sains Malaysiana 41(1)(2012): 1–10.

16   Kochummen, K. M. (1973): Sterculiaceae. In Whitmore, T. C.: Tree Flora of Malaya, Vol. 2. Longman.

17   Whitmore, T. C. (1998): Palms of Malaya. White Lotus.

18   http://www.nativetreesociety.org/worldtrees/sea_ei/borneo_ii.htm

19   http://www.junglecraft.com.my/

 

Offizielle Websites:

 

http://wildlife.gov.my/index.php/en/public/2016-05-10-02-34-43/taman-negara-pahang-kuala-tahan

 

http://wildlife.gov.my/index.php/en/info/153-kelantan-national-park-kuala-koh

 

http://wildlife.gov.my/index.php/en/public/2016-05-10-02-34-43/brosur

 

http://wildlife.gov.my/index.php/en/public/2016-05-10-02-34-43/taman-negara-terengganu-tanjung-mentong

 

Dipterocarpus cornutus, der große Baum.
Sandoricum koetjape (santol), der große Baum.
Zwei häufige große Überständerarten: Koompassia excelsa (Mengarisbaum, rechts und links im Hintergrund) und Shorea leprosula, mitte links.
Rechts im Vordergrund: Elateriospermum tapos, einer von den häufigsten Hauptkronendachbäumen.
Cycas macrocarpa, rechts im Vordergrund.
Wald auf Bergkamm mit Shorea curtisii, langsam wachsender sehr großer Klimaxbaum, schattentolerant als jung. Unterholz ist dicht wegen des lichten und kleinblättrigen Kronendach und des Seitenlichts.
Graue Kronen von Shorea curtisii oben links. Tahan-Fluss sichtbar. Links vom Fluss ein Fleck von Sekundärwald.
In der Mitte 63,2 m hoher Shorea faguetiana, ein stellenweise häufiger Überständer.
63,0 m hoher Shorea faguetiana.
Die Krone des selben 63,0 m hohen Shorea faguetiana.
Die Krone eines 50 m hohen Shorea leprosula, häufiger lichtfordernder und schnell wachsender Überständer.
Tahan-Fluss. Die großen Bäume an den Flussufern: Dipterocarpus oblongifolius.
Die großen Bäume am Flussufer vom Tahan-Fluss: Dipterocarpus oblongifolius.
Trenggan-Fluss. Der große Baum: Dipterocarpus oblongifolius.
Überständerart Dipterocarpus crinitus, auch die großen gefallenen Blätter.
Dipterocarpus grandiflorus.
Dryobalanops oblongifolia subsp. occidentalis am Tahan-Fluss.
69,3 m hoher Koompassia excelsa (Mengarisbaum).
Die Krone des selben 69,3 m hohen Koompassia excelsa (Mengarisbaum) hinter einem 40 m hohen Intsia palembanica (mit dichterer Beblätterung).
66,5 m hoher Koompassia excelsa (Mengarisbaum).
52 m hoher Koompassia malaccensis, häufiger Überständer.
Intsia palembanica, häufiger Überständer.
Parkia speciosa (Verdrehte Blockbohne), ein häufiger Baum.
Parkia sp.
50,2 m hoher Dyera costulata, lichtfordernder, schnell wachsender, langlebiger Pionierbaum, der einer von den größten Überständern werden kann.
Der selbe 50,2 m hoher Dyera costulata.
Tetrameles nudiflora, langlebiger Pionierbaum, der Überständer wird; einer von den schnellst wachsenden Bäumen in Asien.
Tetrameles nudiflora, ein anderes Exemplar.
55 m hoher Ficus sp.
Tahan-Fluss. Die Torfböden in den Gebirgen, wo der Fluss beginnt, geben die braune Farbe. Großer Ficus sp., links.
59 m hoher Koompassia excelsa (Mengarisbaum), rechts. Ganz oben: große Blätter von Artocarpus elasticus, häufiger mittelgroßer Baum.
Artocarpus fulvicortex, seltener mittelgroßer Baum.
Pterocymbium tinctorium am Tahan-Fluss.
Knema furfuracea (mit großen Blättern), einer von den häufigsten mittelgroßen Bäumen.
Myristica maxima hat manchmal Stelzwurzeln.
Tristaniopsis whiteana am Tahan-Fluss.
Oncosperma horridum -Stämme, links. Der höchste ist 32 m. Ein Lieblingsessen der Elefanten trotz den vielen spitzen Dornen. Wenn der Elefant eine Palme fällt, bildet diese kräftig neue Triebe.
Einer von den unzähligen kleinen Bächen.
Warane sieht man oft.