baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

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Urwald Wasserkar, Österreich

 

Man könnte denken, in den Höhenlagen der Alpen befinden sich die größten Urwälder Mitteleuropas. Die Höhenlagen wurden aber schon in der Bronzezeit besiedelt; eine umfangreiche Entwaldung fand zwischen dem 8. und 14. Jahrhundert statt1. Wasserkar im Blühnbachtal ist ein sehr seltenes Exemplar von subalpinem Urwald mit Europäischer Lärche (Larix decidua).

 

Das Reservat (35 ha 2), besonders sein oberer Teil, ist sehr schwer zu erreichen. Weil man ohne eine Sondergenehmigung an der Blühnbachstraße nicht parken darf, ist es nötig 11 km von Tenneck zu wandern. Der Urwald wurde auf keinerlei Weise markiert. Er befindet sich auf einem steilen Nordhang, der von unten (vom Norden) erreichbar ist. Von allen anderen Seiten wird der Urwald von hohen Felswänden geschützt. Im untersten Teil des Reservats hat es möglicherweise in der Vergangenheit Holznutzung gegeben, zumindest wurden vom Wind geworfene Bäume entfernt2. Dann folgt aber ein sehr steiler nur in wenigen Stellen begehbarer Wandabbruch. Auf diesen sehr steilen Felsstandorten wachsen niedrige Bergkieferdickichte (Pinus mugo), die den Zugang noch schwerer machen. Der Wandabbruch hat die oberen Teile des Reservats geschützt, die weitgehend ungestört sind2. Für die Beweidung war die Fläche zu klein2.

 

Oberhalb vom Wandabbruch ist Wasserkar ein Bisschen weniger steil. Gemeine Fichte (Picea abies) dominiert bis 1350 m, dann Fichte zusammen mit Lärche, und ab 1550 m bis zur Baumgrenze von 1700 m dominiert Lärche allein2. Auch im Lärchenwald ist Fichtenverjüngung reichlich vorhanden aber sie ist wegen der Kälte nicht entwicklungsfähig2. Es gibt auch einige Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und Echte Mehlbeere (Aria edulis, syn. Sorbus aria). Der häufige Begleitbaum von der Europäischen Lärche3, Zirbelkiefer (Pinus cembra), fehlt hier2.

 

Im Tiefland angepflanzte Europäische Lärche ist mit Höhen bis 53,8 m einer der höchsten europäischen Baumarten4. Auf den natürlichen Standorten kommt Europäische Lärche aber nirgendwo unter ihren optimalen Wachstumsverhältnissen vor; die natürlichen Lärchenwälder existieren einfach, weil die Art die dortigen rauen Klimabedingungen besser als andere Bäume verträgt3. Auf Wasserkar erreicht die Lärche eine Höhe von ca. 30 m. Der Wald ist licht mit zahlreichen Windwürfen.

 

Der Verbiss durch Gämse und Rothirsch ist stark2, und ihre Spuren und Pfade gibt es viel. Menschliche Spuren gibt es dagegen gar nicht. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 1500 mm, mit einem Maximum im Sommer, und die Jahresmitteltemperatur (wahrscheinlich im untersten Teil) 4°C 2. Der Boden ist kalkhaltig2.

 

Referenzen:

 

1       Parviainen, J. (2005): Virgin and natural forests in the temperate zone of Europe. For. Snow Landsc. Res. 79, 1/2: 9–18.

2       Mayer, H. & Wallmann. R. (1987): Der Urwaldrest Lärchenwiesenwald im Wasserkar (Blühnbachtal). In Mayer. H. (Ed.): Urwaldreste, Naturwaldreservate und schützenswerte Naturwälder in Österreich. Institut für Waldbau, BOKU.

3       Ellenberg, H. (1996): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. Ulmer.

4       https://www.monumentaltrees.com/de/deu/hessen/vogelsbergkreis/4524_richthof/10650/


Gemeine Fichte (Picea abies, mit dichter Benadelung) und Europäische Lärche (Larix decidua, z.B. am linken Rand).
Europäische Lärche (Larix decidua, höhere Bäume), Gemeine Fichte (Picea abies, Verjüngung) und Echte Mehlbeere (Aria edulis, syn. Sorbus aria).
Gemeine Fichte (Picea abies, dunkelgrüne Benadelung) und Europäische Lärche (Larix decidua, hellgrüne Benadelung) hinter einem Windwurf.
Europäische Lärche (Larix decidua, mit hellgrüner Benadelung und links im Vordergrund), Gemeine Fichte (Picea abies, mit dunkelgrüner Benadelung).
Wasserkar aus der Ferne. Europäische Lärche (Larix decidua, hellgrüne Kronen) und Gemeine Fichte (Picea abies, dunkelgrüne Kronen). Der Wandabbruch (siehe Text) sichtbar unten.
Ein Teil vom Reservat von unten. Europäische Lärche (Larix decidua, hellgrüne Kronen) und Gemeine Fichte (Picea abies, dunkelgrüne Kronen).