baumzaehlen - Urwälder & ihre Bäume

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Urwald Rothwald, Österreich

 

Der Rothwald ist der größte Urwaldrest der Alpen1. Obwohl ab Mitte des 18. Jahrhunderts in diesem Gegend große Abholzungen einsetzten, fand im Rothwald aufgrund seiner Abgelegenheit, Topographie und Lage zwischen zwei Bundesländern keine Holznutzung statt2. 1875 ging er in den Besitz der Familie Rothschild über, die keine Holznutzung zuließ und das Gebiet zur Jagd und zu forstästhetischen Gründen nutzte2. 1943 wurde der Wald formal geschützt2 und gehört heute zum Wildnisgebiet Dürrenstein. Auch pollenanalytische Untersuchungen haben bestätigt, dass es sich um echten Urwald handelt1. Der Urwald ist in zwei Teilen gespalten: dem großen Urwald (2,4 km2) und dem kleinen Urwald (0,5 km2). Ursprünglich war der Urwald ganz und die Fläche größer; leider wurde aber entlang des Moderbaches zwischen den zwei heutigen Teilen nach einem Windwurf 1966 Holz entnommen, was zu der Zweiteilung geführt hat2.

 

Der Urwald erstreckt sich von 940 m bis zur Waldgrenze bei 1500 m auf Kalkstein3 und umfasst sowohl steile Hänge als auch nahezu flachen Boden. Die Hauptbaumarten sind Rotbuche (Fagus sylvatica), Weißtanne (Abies alba) und Gemeine Fichte (Picea abies). Der Wald hat über 500-Jährige Tannen und Fichten, und bis 450 Jahre alte Buchen2. Die anderen, viel selteneren, Baumarten sind Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Spitzahorn (Acer platanoides), Bergulme (Ulmus glabra), Sal-Weide (Salix caprea), Echte Mehlbeere (Aria edulis, syn. Sorbus aria) 2, Österreichische Mehlbeere (Hedlundia austriaca, syn. Sorbus austriaca), Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und Europäische Eibe (Taxus baccata) 1. All diese sind leicht voneinander zu unterscheiden. Im kleinen Urwald gibt es einige Standorte mit hohem Holzvolumen, sogar 1577 m3/ha wurden in einer kleinen Fläche gemessen3, aber meistenteils ist der Wald viel lichter. Dagegen ist die Totholzmenge durchgehend hoch.

 

Obwohl keine Holznutzung stattgefunden hat, ist der Wald nicht im natürlichen Zustand: Bis ca. 1870 hatte das Gebiet eine natürliche Wilddichte; nachdem wurde diese aber wegen der Ausrottung des Raubwildes und der Einführung der Winterfütterung erhöht1. Infolgedessen fehlt die wildempfindlichste Baumart Tanne in der Verjüngung ab Ende des 19. Jahrhunderts 1, und die Art wird verschwinden, wenn die heutige Wilddichte bleibt3. Die Verjüngung der anderen Baumarten ist auch verbissen, sogar die von Fichte.

 

Die jährliche Durchschnittstemperatur ist 3,7°C und der durchschnittliche Jahresniederschlag rund 2300 mm; der Monatsniederschlag liegt durchschnittlich nie unter 100 mm 2. Der Wald kann als gemäßigter Regenwald klassifiziert werden4.

 

Referenzen:

 

1       Mayer, H., Neumann, M. & Schrempf, W. (1979): Der Urwald Rothwald in  den Niederösterreichischen Kalkalpen. In Mayer, H. (Ed.): Urwaldreste, Naturwaldreservate und Schützenswerte Naturwälder in Österreich. Institut für Waldbau, Universität für Bodenkultur, Wien.

2       Gratzer, G. & Splechtna, B. (2014): Wissenschaftlicher Rundgang Rothwald.

3       Schrempf, W. (1986): Waldbauliche Untersuchungen im Fichten-Tannen-Buchen-Urwald Rothwald und in Urwald-Folgebeständen. In Mayer, H. (Ed.): Urwaldreste, Naturwaldreservate und Schützenswerte Naturwälder in Österreich. Institut für Waldbau, Universität für Bodenkultur, Wien.

4       DellaSala, D. A. (Ed.). 2011: Temperate and Boreal Rainforests of the World. Island Press.

 

Offizielle Website:

 

http://www.wildnisgebiet.at/


Rothausbach im großen Urwald. Rotbuche (Fagus sylvatica) und Gemeine Fichte (Picea abies).
Gemeine Fichte (Picea abies) und Rotbuche (Fagus sylvatica). Großer Urwald.
Weißtanne (Abies alba) und Rotbuche (Fagus sylvatica). Großer Urwald.
Weißtanne (Abies alba, im Hintergrund und der graue Stamm links) und Rotbuche (Fagus sylvatica). Kleiner Urwald.
Im Vordergrund zwei Berg-Ahorne (Acer pseudoplatanus) und Jungwuchs von Rotbuche (Fagus sylvatica). Im Hintergrund Rotbuche, Weißtanne (Abies alba) und Gemeine Fichte (Picea abies). Kleiner Urwald.
Hangwald im großen Urwald. Weißtanne (Abies alba), Rotbuche (Fagus sylvatica) und Gemeine Fichte (Picea abies, im Hintergrund Mitte mit rötlichem Stamm).
Lawine hat eine Lücke im großen Urwald verursacht. Weißtanne (Abies alba), Gemeine Fichte (Picea abies) und Rotbuche (Fagus sylvatica).
Tote Gemeine Fichte (Picea abies), Umfang 452 cm. Auch junge Rotbuchen (Fagus sylvatica). Großer Urwald.
Tote Weißtanne (Abies alba), Umfang 385 cm; auf ihrer linken Seite lebende kleine Weißtanne. Kleine Rotbuchen (Fagus sylvatica) im Hintergrund. Großer Urwald.
52 m hohe Gemeine Fichte (Picea abies) im kleinen Urwald. Auch Weißtannen (Abies alba) und Rotbuchen (Fagus sylvatica).
49 m hohe Weißtanne (Abies alba) im kleinen Urwald. Die anderen Bäume: Weißtanne und Rotbuche (Fagus sylvatica).
Die Krone von 49 m hoher Weißtanne (Abies alba, Mitte) im kleinen Urwald. Die anderen Bäume: Weißtanne und Rotbuche (Fagus sylvatica).
Sämlinge von den vier wichtigsten Baumarten: Gemeine Fichte (Picea abies, oben links und rechts), Weißtanne (Abies alba, unten Mitte und rechts), Rotbuche (Fagus sylvatica, unten links) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus, Mitte).